myGully.com Boerse.SH - BOERSE.AM - BOERSE.IO - BOERSE.IM Boerse.BZ .TO Nachfolger
Zurück   myGully.com > Talk > News
Seite neu laden

[Wirtschaft] Angst vor China-Abkopplung

Willkommen

myGully

Links

Forum

 
 
 
Themen-Optionen Ansicht
Prev Vorheriger Beitrag   Nächster Beitrag Next
Ungelesen 26.02.23, 22:09   #1
karfingo
Streuner
 
Benutzerbild von karfingo
 
Registriert seit: Aug 2013
Beiträge: 11.095
Bedankt: 13.104
karfingo leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2147483647 Respekt Punktekarfingo leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2147483647 Respekt Punktekarfingo leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2147483647 Respekt Punktekarfingo leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2147483647 Respekt Punktekarfingo leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2147483647 Respekt Punktekarfingo leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2147483647 Respekt Punktekarfingo leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2147483647 Respekt Punktekarfingo leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2147483647 Respekt Punktekarfingo leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2147483647 Respekt Punktekarfingo leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2147483647 Respekt Punktekarfingo leckt gerne myGully Deckel in der Kanalisation! | 2147483647 Respekt Punkte
Standard Angst vor China-Abkopplung

Zitat:
Big Business gegen den Rest
Eine Kolumne von Henrik Müller
Viele Konzerne setzen ungebremst aufs Chinageschäft. Doch Pekings Unterstützung für Wladimir Putin spricht für ein Zerwürfnis zwischen der Volksrepublik und dem Westen. Es droht ein ökonomischer Großkonflikt.

26.02.2023, 16.11 Uhr

Worte können Waffen sein. Gelegentlich kommen sie als Dolche daher, die in hübsch verzierten Etuis stecken: scharfe Klingen in harmlos wirkender Verpackung – Instrumente der Täuschung.

Was gesagt und was eigentlich gemeint ist, sind dann mitunter ganz verschiedene Dinge.
So liest sich das chinesische Zwölf-Punkte-Papier, vom Pekinger Außenministerium zum Jahrestag der russischen Ukraine-Invasion am Freitag vorgelegt, wie diplomatische Dichtkunst. Statt um einen Friedensplan, wie im Vorfeld mal in Aussicht gestellt, handelt es sich um ein Dokument der Täuschung. Es steht in einer Reihe von Deklarationen, mit denen die chinesisch-russische Allianz versucht, die Weltöffentlichkeit zu verwirren. Und zwar mit ausgesprochen kurzbeinigen Realitätsverdrehungen.

So heißt es unter Punkt eins des neuen chinesischen Papiers (die englische Fassung finden Sie hier ): »Die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität aller Länder muss unbedingt aufrechterhalten werden«, egal ob »klein oder groß, stark oder schwach, reich oder arm«. Klingt wie eine Breitseite gegen Wladimir Putin. Nimmt man diesen Satz wortwörtlich, kann man ihn als Aufforderung lesen, unverzüglich sämtliche Truppen aus der Ukraine abzuziehen und von nun an die international anerkannten Staatsgrenzen zu achten.

Aber: Dies schreibt eine Regierung, die selbst das kleine demokratische Nachbarland Taiwan bedroht. Was »Länder« im oben zitierten Satz bedeutet, ist demnach Auslegungssache: Wenn man einem Staat seine Unabhängigkeit und sein Recht auf Selbstbestimmung abspricht – so wie China dies im Fall Taiwan tut und Russland im Fall Ukraine –, dann braucht man sich auch nicht um dessen »territoriale Integrität« zu scheren. Worte als Waffe, Täuschung als Drohung.

Achtung! Dies ist Deutschlands größter Handelspartner. Waren für knapp 300 Milliarden Euro haben China und Deutschland 2022 ausgetauscht, meldete kürzlich das Statistische Bundesamt. Für deutsche Konzerne wie Volkswagen und Mercedes-Benz ist China längst der wichtigste Markt. Diverse deutsche Konzerne sitzen in der China-Falle. Und Peking weiß das. (Achten Sie auf den chinesischen Volkskongress ab Sonntag.)

Gern präsentiert sich China als Garant des freien Handels. So geißelt das Peking-Papier unter Punkt zehn die Sanktionen des Westens gegen Russland. Man sei »gegen unilaterale Sanktionen, die nicht vom Uno-Sicherheitsrat autorisiert sind«. Abgesehen davon, dass Peking und Moskau als Vetomächte jede Entscheidung im Sicherheitsrat verhindern können, übersieht diese Forderung, dass China selbst in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Ländern mit Sanktionen überzogen hat, darunter Litauen, Australien, Japan und Kanada, weil sie Menschenrechtsverletzungen gegen die muslimische Minderheit der Uiguren kritisiert oder die Unabhängigkeit Taiwans unterstützt haben. Dass Peking im Ukrainekrieg eine »konstruktive Rolle« zu spielen gedenkt, klingt vor diesem Hintergrund reichlich hohl.

»Tausend Jahre Demokratie«?
Kurz bevor der vermeintliche Friedensplan herauskam, war übrigens Chinas oberster Außenpolitiker Wang Yi in Moskau. Nach dem Gespräch mit Kriegsherr Putin vermeldete Wangs Ministerium die felsenfeste Partnerschaft beider Länder. Im Übrigen wolle man »mehr Demokratie in den internationalen Beziehungen« – eine Tarnformulierung für weniger westlichen Einfluss. Außerdem: die »strategische Koordination stärken, die praktische Kooperation ausbauen und die legitimen Interessen beider Länder verteidigen«. Wenige Tage später meldete der SPIEGEL, China sei offenbar bereit, Kamikazedrohnen für russische Angriffe in der Ukraine zu liefern – scharfe Klingen in harmlos wirkender Verpackung.

China und Russland bemühen das Vokabular des liberalen Westens und wenden es gegen ihn. Währenddessen laufen die west-östlichen Geschäfte weiter – solange es denn gutgeht.




Russische und chinesische Flagge Foto: Russian Foreign Ministry Press O / ITAR-TASS / IMAGO


Im Februar 2022, unmittelbar vor Kriegsbeginn, holte sich Putin Rückendeckung von Chinas Führer Xi Jinping. In ihrer »gemeinsamen Erklärung« wimmelt es von großen liberalen Begriffen, deren Bedeutung sie bis zur Unkenntlichkeit verdrehen. So beschwören Xi und Putin »Frieden, Entwicklung, Gleichheit, Recht, Demokratie und Freiheit« sowie eine »rechtsbasierte Weltordnung«. Klingt alles vernünftig, vordergründig jedenfalls. Etwas weiter unten in der Erklärung vernachlässigen die beiden Herrscher jedoch streckenweise ihre sprachliche Tarnung. Natürlich handele es sich auch bei ihren Ländern um Demokratien, heißt es da, und zwar um solche »mit langer Tradition«. Man habe schließlich »tausendjährige Erfahrung« damit, die »Bedürfnisse und Interessen der Bürger« zu erkennen und zu befriedigen.

Man muss nach solchen Sätzen erst mal durchatmen und sich schütteln, denn sie stammen von Regimen, die sich offenkundig in einer ungebrochenen Tradition sehen mit Figuren wie Iwan dem Schrecklichen, Mao Zedong und Josef Stalin – Gewaltherrschern, die Hunger und Krieg auch gegen die eigene Bevölkerung als legitime Mittel der Machtausübung erachteten.

»Mit Volldampf in die falsche Richtung«
Währenddessen in Deutschland. Dass man China nicht »dämonisieren« dürfe, ist zu einer Art Kehrvers bei der Rechtfertigung der engen Wirtschaftsbeziehungen geworden. Man versucht es mit business as usual. Olaf Scholz reiste kurz nach Xis Ernennung zum Dauerherrscher vorigen Herbst nach Peking. Konzerne wie BASF bauen unverdrossen ihr Chinageschäft aus. Die Direktinvestitionen stiegen voriges Jahr mit rekordverdächtigem Tempo. Der Handel legt weiter zu. Die Verflechtungen werden noch enger. Es gehe »mit Volldampf in die falsche Richtung«, kritisiert das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Eine Studie des Berliner China-Thinktanks Merics kommt zu der ernüchternden Einschätzung, dass China inzwischen weniger eine »wirtschaftliche Chance« für den Westen denn ein »Sicherheitsrisiko« sei. Während Pekings Emissäre gern von Multilateralismus und Freihandel redeten, schütze China seine eigene Wirtschaft massiv und stelle sie in den Dienst des Staates. Die Globalisierung verändert damit fundamental ihren Charakter – wir haben kürzlich an dieser Stelle darüber diskutiert. Doch in den Geschäftsmodellen vieler Konzerne spiegelt sich das noch nicht wider.

So warnt denn auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vor immer mehr Abhängigkeit. Strategieberater dienen Konzernen ihre Dienste an und fordern sie dazu auf, sich schleunigst auf ein »decoupling« zwischen China und dem Westen einzustellen: Rückzug aus China, Diversifizierung von Produktion, Beschaffung und Vermarktung – oder wahlweise die Bildung weitgehend autonom agierender Tochterfirmen. Deutsche Konzerne müssten dringend ihr Chinageschäft so aufstellen, »dass auch dessen Kollaps nicht das gesamte Unternehmen in Existenznot bringt«, so IW-Forscher Jürgen Matthes.

Nach dem Russland-Debakel droht der China-Schock
Während viele Mittelständler sich aus China zurückziehen, weil ihnen die Lage zu heiß wird, sind Großunternehmen nach wie vor auf einem anderen Trip. Mercedes-Chef Ola Källenius gab kürzlich zu Protokoll: »Von China abzurücken, weil irgendetwas passieren könnte, wäre die falsche Richtung.« Martin Brudermüller, der BASF-Vorstandsvorsitzende, mahnte, Deutschland müsse »vom China-Bashing« wegkommen. Allianz-Boss Oliver Bäte meint : »Wir sollten gar nicht erst so tun, als ob wir uns von Ländern wie China als Partner verabschieden könnten.«

Schon klar: Wenn die China-Falle zuschnappt, kann es rasch sehr teuer werden. Nach dem Ende der Russland-Deals und dem Energiedebakel droht der nächste Genickschlag – und wieder wäre es ein Schock mit Ansage.

Die gesamtwirtschaftlichen Kosten einer Abkopplung wären tragbar
Ich fürchte, wir laufen hier auf einen innerdeutschen und -europäischen Großkonflikt zu – Big Business gegen den Rest. Denn die gesamtwirtschaftlichen Kosten einer vollständigen China-Abkopplung des Westens wären durchaus verkraftbar: Nach Berechnungen des Ifo-Instituts würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt in diesem Szenario um lediglich 0,76 Prozent niedriger ausfallen als bei der Fortsetzung des Status quo. Am stärksten betroffen wäre die Autoindustrie.

Einzelne Konzerne jedoch könnten bei einer Zuspitzung der Sicherheitslage große Teile ihres Auslandsgeschäfts verlieren und stünden womöglich vor der Pleite. Wir sollten uns darauf vorbereiten – und Instrumente der Täuschung als solche enttarnen.
Quelle: [ Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar. Bitte einloggen oder neu registrieren ]
karfingo ist offline   Mit Zitat antworten
Die folgenden 3 Mitglieder haben sich bei karfingo bedankt:
Draalz (26.02.23), gerhardal (27.02.23), Luke_Sky123 (27.02.23)
 


Forumregeln
Du kannst keine neue Themen eröffnen
Du kannst keine Antworten verfassen
Du kannst keine Anhänge posten
Du kannst nicht deine Beiträge editieren

BB code is An
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 05:08 Uhr.


Sitemap

().